Erste Stolpersteine in Tauberbischofsheim verlegt
Mit einer bewegenden Gedenkveranstaltung wurden in Tauberbischofsheim erstmals Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Rund 300 Bürgerinnen und Bürger begleiteten die Verlegung der zwölf Stolpersteine an vier Standorten in der Innenstadt. Die Messingtafeln erinnern künftig an Mitglieder der Familie Brückheimer sowie an Flora und Hannelore Simons, die während der NS-Zeit verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden.
Die Verlegung erfolgte persönlich durch den Künstler Gunter Demnig, Initiator des europaweiten Stolperstein-Projekts. Gemeinsam mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Ute Werr begrüßte er die zahlreichen Gäste auf dem Marktplatz.
„Mit der heutigen Verlegung wird ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte Tauberbischofsheims geleistet“, betonte Ute Werr in ihrer Ansprache. Gleichzeitig sei die Verlegung „eine längst überfällige Form des Gedenkens an die Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus unserer Mitte gerissen wurden.“
Die stellvertretende Bürgermeisterin dankte insbesondere der Familie Brückheimer, die den entscheidenden Anstoß für das Projekt gegeben und die ersten zwölf Stolpersteine gestiftet hatte. Ebenso würdigte sie die Arbeit des Arbeitskreises Stolpersteine, des Vereins „die schul“, der Bürgerstiftung, der Tauberfränkischen Heimatfreunde sowie aller Beteiligten, die zur Umsetzung beigetragen haben.
Besonders bewegend war die Anwesenheit von insgesamt 25 Nachfahren der Familie Brückheimer aus Israel und den USA, die eigens zur Verlegung nach Tauberbischofsheim angereist waren. Vor Beginn der öffentlichen Veranstaltung trugen sich Familienmitglieder in das Goldene Buch der Stadt ein.
Die erste Verlegung erfolgte in der Manggasse 2. Dort setzte Gunter Demnig die ersten Stolpersteine in das Pflaster ein. Im weiteren Verlauf wurden Stolpersteine in der Hauptstraße sowie zuletzt in der Gartenstraße 3 verlegt – dem früheren Wohnort von Leo Brückheimer und Hilda Brückheimer, geborene Bauer, den Eltern von Joram Brückheimer.
Joram Brückheimer, Enkel von Max Brückheimer, der 1937 auf dem jüdischen Friedhof in Tauberbischofsheim beerdigt wurde, begleitete die Verlegung mit bewegenden Worten und sprach an den einzelnen Stationen das Kaddisch, das jüdische Totengebet.
Schülerinnen des Wirtschaftsgymnasiums trugen an den Verlegeorten Kurzbiografien der Opfer vor. Musikalisch wurde das Gedenken mit Klezmer-Musik umrahmt. Viele Besucherinnen und Besucher legten Blumen und Rosen an den neu verlegten Stolpersteinen nieder.
Die Stolpersteine sind Teil des europaweiten Kunst- und Erinnerungsprojekts von Gunter Demnig. Sie sollen die Schicksale der Opfer sichtbar machen und die Erinnerung mitten im Alltag wachhalten. Mit der ersten Verlegung in Tauberbischofsheim wurde ein weiterer wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte geleistet.
Weitere Informationen zur Erinnerungsarbeit und zum Projekt „Stolpersteine“ finden Sie unter folgendem Link Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus | Tauberbischofsheim