Hochwasserübung: Tauberbischofsheim probt den Ernstfall
Ein schnell steigender Pegel der Tauber und ein drohendes 50-jähriges Hochwasser: Dieses Szenario stellte die Stadt Tauberbischofsheim am Mittwoch, 23. September, bei einer praktischen Hochwasserübung auf die Probe. Ab dem frühen Morgen waren zahlreiche städtische Mitarbeiter im Einsatz, bauten Hochwasserschutzeinrichtungen auf und sicherten gefährdete Bereiche und Gebäude.
Das angenommene Szenario begann um 6.30 Uhr. Eine stehende Gewitterzelle hatte im oberen Einzugsgebiet der Tauber innerhalb kurzer Zeit massive Niederschläge gebracht. Gegen 7 Uhr informierte die Rettungsleitstelle Bürgermeisterin Anette Schmidt über die Hochwasserlage. Laut Übungsszenario war innerhalb der nächsten Stunden mit einem rasanten Anstieg des Pegels bis auf 449 Zentimeter zu rechnen. Die Einsatzkräfte wurden daraufhin über das Alarmierungssystem Alamos verständigt.
„Bei einem solchen Hochwasser zählt jede Stunde. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Schutzmaßnahmen nicht nur auf dem Papier planen, sondern regelmäßig unter möglichst realistischen Bedingungen erproben“, betont Bürgermeisterin Anette Schmidt. Sie war unmittelbar nach der Alarmierung im Einsatz und machte sich im Laufe des Vormittags an den verschiedenen Einsatzstellen ein Bild von der Lage.
Immer neue Lagemeldungen
Dabei wurde nicht einfach ein festgelegter Einsatzplan Punkt für Punkt abgearbeitet. Mit dem angenommenen Anstieg des Tauberpegels erhielten die Beteiligten immer wieder neue Lagemeldungen. Diese enthielten konkrete Situationen und Aufgaben, auf die kurzfristig reagiert werden musste. So entwickelte sich die Übung – ähnlich wie ein tatsächliches Hochwasser – im Laufe des Vormittags ständig weiter.
Auch das Landratsamt Main-Tauber-Kreis war in die Übung eingebunden. Es erhielt die jeweiligen Lagemeldungen und reagierte darauf aus Sicht der zuständigen Fachbehörden. So gab das Umweltschutzamt unter anderem Hinweise zum Schutz der Kläranlage und zur Sicherung der Binnenentwässerung. Abhängig von der angenommenen Hochwasserlage mussten beispielsweise Zuflüsse kontrolliert, Becken vor einer Überflutung geschützt und weitere Sicherungsmaßnahmen geprüft werden.
Viele städtische Teams im Einsatz
Mitarbeitende von Bauhof, Bauamt, Wasserwerk und Abwasserwerk sowie des Frankenbads und die städtischen Hausmeister arbeiteten bei der Übung Hand in Hand. Unter anderem wurden die Hochwasserschutztore im Bereich der Tauberbrücke, am Zugang beim McDonald’s sowie an der Kreuzung am Laurentiusberg geschlossen. Auch die Stadthalle musste vor dem angenommenen Hochwasser geschützt werden.
Dort gab es spontane Unterstützung: Schülerinnen und Schüler des Matthias-Grünewald-Gymnasiums packten kurzerhand mit an und halfen den städtischen Mitarbeitern beim Aufbau der Sandsäcke.
Auch die großen mobilen Pumpen für die Binnenentwässerung im Bereich der Mergentheimer Straße wurden im Rahmen der Übung eingebaut und getestet. Sie spielen eine wichtige Rolle, wenn bei Hochwasser das im Stadtgebiet anfallende Wasser nicht mehr auf natürlichem Weg in die Tauber abfließen kann.
Eine Premiere gab es im frisch sanierten Frankenbad. Dort wurde der Hochwasserschutz erstmals im Rahmen einer Übung praktisch aufgebaut und getestet.
Bürgermeisterin Schmidt besuchte während der Übung die verschiedenen Einsatzstellen – von den Hochwasserschutztoren über die Stadthalle und das Frankenbad bis zur Feuerwehr.
Fachlich begleitet und beobachtet wurde die Übung von Lena Döttling vom Regierungspräsidium Baden-Württemberg, Bereich Gewässer. Sie verfolgte die Abläufe und den Aufbau der Hochwasserschutzeinrichtungen vor Ort.
Abläufe praktisch überprüfen
Ziel der Übung war es, die vorgesehenen Maßnahmen unter möglichst realistischen Bedingungen umzusetzen und das Zusammenspiel der beteiligten Bereiche zu überprüfen. Gerade die wechselnden Lagemeldungen verlangten von den Beteiligten, die jeweilige Situation neu einzuschätzen und entsprechend zu reagieren.
„Für uns ist entscheidend, dass wir die einzelnen Einrichtungen tatsächlich aufbauen und die Abläufe praktisch durchspielen“, erklärt Bauamtsleiter Zoltan Szlaninka. „Dabei zeigt sich, was sich in der Praxis bewährt und wo Abläufe noch optimiert werden können. Diese Erkenntnisse nehmen wir jetzt mit in die Auswertung.“
Die Erfahrungen des Tages fließen in die weitere Optimierung der Abläufe sowie des Hochwasseralarm- und Einsatzplans der Stadt ein. Dieser wird regelmäßig überprüft und an neue Erkenntnisse angepasst.
Bereits 2024 hatte die Stadt bei einer umfangreichen Hochwasserübung das Zusammenspiel von Verwaltungsstab und Einsatzkräften trainiert. Dieses Mal lag der Schwerpunkt bewusst auf der praktischen Umsetzung vor Ort. Der Verwaltungsstab wurde nicht einberufen.



