Klimaschutzkonzept

Das Klimaschutzkonzept der Kreisstadt Tauberbischofsheim dient als strategische Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe für Politik und Verwaltung zur Umsetzung von Klimaschutzaktivitäten. Auf diese Weise schafft das Klimaschutzkonzept Verbindlichkeit für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger. Als strategischer Fahrplan sichert das Klimaschutzkonzept langfristig Erfolge im Klimaschutz. Das Konzept wurde im Juni 2025 vom Gemeinderat beschlossen.

67K24751_Klimaschutzkonzept_Kreisstadt_Tauberbischofsheim (PDF,3,3 MB)

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Die Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts in der Übersicht

NK1 - Klimafreundlicher Waldumbau zu klimaresilienten Wäldern

Ziel: Stärkung der natürlichen Kohlenstoffsenke Wald

Knapp ein Drittel der Gemarkungsfläche Tauberbischofsheim ist mit Wald bedeckt. Als wichtige Kohlenstoffsenke, Frisch- und Kaltluftlieferant sowie Erholungsfläche erfüllt der Wald wichtige klimatische und gesellschaftliche Funktionen. Um diese Funktionen zu erhalten und darüber hinaus zu stärken, muss der Wald klimafreundlich und -resilient bewirtschaftet werden. Deshalb besteht die Maßnahme aus vier Säulen: (1) die nachhaltige Holzentnahme aus dem Wald zur Optimierung der CO2-Aufnahme, (2) das Pflanzen von klimaresilienten Bäumen (z.B. Douglasie, Eiche), (3) der Umbau des Waldstücks „Großes Holz“ (50-70 ha) zur Mittelwaldbewirtschaftung (in Kooperation mit der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg) und (4) die Sensibilisierung privater Waldeigentümerinnen und -eigentümer zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Da viele private Waldflächen nicht bewirtschaftet werden und dadurch wenig klimaresilient sind, werden zukünftig Eigentümerinnen und Eigentümer für eine nachhaltige Bewirtschaftung geschult. Hierzu ist eine Informationsveranstaltung geplant, die bei entsprechender Nachfrage jährlich stattfinden kann. Zudem werden Angebote zu Fördermöglichkeiten und Begehungen mit dem Revierleiter bekannt gemacht.

NK2 - Klimaschutzlehrpfad Tauberbischofsheim

Ziel: Bewusstseinsbildung für die Bedeutung des Waldes als wichtige Kohlenstoffsenke

Alle Informationen zum Klimaschutzlehrpfad finden Sie auf der dazugehörigen Unterseite: Klimaschutzlehrpfad Tauberbischofsheim.

NK3 - Nachhaltige Beschaffung

Ziel: Reduktion der vor- und nachgelagerten THG-Emissionen, die bei der Beschaffung wichtiger Gebrauchsgüter der Stadtverwaltung Tauberbischofsheim anfallen

Kommunen sind wichtige öffentliche Auftraggeber. Als Auftraggeber besitzt die Stadtverwaltung Tauberbischofsheim (inkl. Bauhof, Eigenbetriebe und Schulen) eine Vorbildfunktion in der Beschaffung von materiellen Gütern. Bei der zukünftigen Beschaffung werden nachhaltigen Aspekten eine stärkere Bedeutung zukommen, weswegen neue Richtlinien zur Beschaffung von Büromaterialien (v.a. Recycling-Papier), Reinigungsmitteln und sonstigen Gebrauchsgütern erstellt werden. Im Bereich der Vergabe kann die Nachhaltigkeit ebenfalls stärker berücksichtigt werden. Grundlage für die Richtlinie sind integre Gütezeichen, darunter der Blaue Engel des UBA.

NM1 - Etablierung Stadtradeln

Ziel: Verlagerung der Alltagsmobilität zugunsten des Fahrrads durch motivierende Kampagne

Die internationale Kampagne Stadtradeln wird in Tauberbischofsheim verstetigt, sodass eine jährliche Teilnahme auch im Falle ausbleibender Landesfördermittel gesichert ist. Zum einen werden in dem dreiwöchigen Aktionszeitraum direkt THG-Emissionen vermieden. Zum anderen bekommt das Thema Fahrradfahren eine wichtige Sichtbarkeit, sodass Folgeeffekte zu verzeichnen sind. Alle weiteren Informationen finden Sie auf der dazugehörigen Unterseite: Stadtradeln in Tauberbischofsheim.

NM2 - Überdachte Fahrradabstellanlagen

Ziel: Steigerung der Attraktivität zur Nutzung des Fahrrads durch den Aufbau bedarfsorientierter Infrastruktur

Bisher mangelt es an überdachten Fahrradabstellanlagen im Bereich der Innenstadt. Entlang von Radwegen und in der Nähe der Innenstadt werden überdachte Fahrradabstellanlagen entstehen. Wo dies sinnvoll ist, kann auch die Möglichkeit zur Ladung von E-Bike-Akkus geschaffen werden. Die Dächer der Fahrradabstellanlagen werden im besten Fall begrünt und wenn möglich mit PV-Modulen ausgestattet sein. Die Dachbegrünung entsiegelt bzw. verhindert die Versiegelung der Fläche und die PV-Module erzeugen klimafreundlichen Strom, der entweder ins Netz oder – als Insel-Anlage – gespeichert und zur Ladung der E-Bike-Akkus verwendet werden kann.

NM3 - Elektrifizierung des städtischen Fuhrparks

Ziel: Reduktion der THG-Emissionen des kommunalen Fuhrparks

Der Fuhrpark der Stadtverwaltung Tauberbischofsheim (inkl. Bauhof, Eigenbetriebe, Feuerwehr) umfasst 70 vielfältige Fahrzeuge. Jährlich stößt der Fuhrpark 115 Tonnen THG aus. Im Jahr 2023 betrugen die Kosten für Benzin und Diesel rund 74.000€. Um langfristig THG und Kosten einzusparen, wird der Fuhrpark schrittweise elektrifiziert. Dies hat (aktuell) höhere Investitionskosten zur Folge, reduziert – in Verbindung mit städtischen PV-Anlagen – jedoch die Betriebskosten. Da nicht jedes Fahrzeug gleichwertig elektrifiziert werden kann (Stichwort: Notfallbereitschaft), hat die Einsatzfähigkeit Vorrang vor der Elektrifizierung. 

KB1 - Vortragsreihe Nachhaltigkeit

Ziel: Bewusstseinsbildung und Handlungsmotivation für Bürgerinnen und Bürger

In einer Informationsreihe für eine nachhaltige, klimafreundliche Zukunft werden Bürgerinnen und Bürger über spezifische Themenfelder des Klimaschutzes, beispielsweise über E-Mobilität, unabhängig aufgeklärt und informiert. Geplant sind mindestens vier Veranstaltungen, die halbjährlich in der Stadthalle bzw. dem Technologie- und Gründerzentrum stattfinden. Als wichtige Themenfelder wurden identifiziert: Auswirkungen des Klimawandels, Bedeutung von Klimaschutz, Energiewirtschaft, E-Mobilität und die Rolle der Landwirtschaft (auch Agri-PV). Angesehene (lokale) Expertinnen und Experten referieren an den Veranstaltungsabenden. Eine professionelle Moderation unterstützt. Bürgerinnen und Bürger haben bereits signalisiert, ehrenamtlich unterstützen zu können. Grundsätzlich werden diese Informationsveranstaltungen kostenlos zugängig sein.

KB2 - Klimateam

Ziel: Unterstützung von Klimaschutz-Maßnahmen durch ein Team aus engagierten Bürgerinnen und Bürgern

Zur weiteren engen Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger wird ein Klimateam gegründet und etabliert. Ziel der Stadtverwaltung ist es, das Klimateam zuerst enger zu begleiten und im späteren Verlauf das Team autonomer zu gestalten. Das Team könnte beispielsweise in einen bestehenden Verein integriert werden oder einen neuen Verein gründen. Als Vorbild dient das Klimateam Schöntal. Das Team kann selbstständig Projekte initiieren oder auch bei städtischen Projekten ehrenamtlich unterstützen. Beispielsweise kann das Team bei den Maßnahmen KB1, KB3 und KWA1 anpacken oder bei NM1 als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wirken.

KB3 - Projekttage Klimaschutz

Ziel: Gewinnen von Schülerinnen und Schülern als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für den Klimaschutz

In allen Schulen unter städtischer Trägerschaft werden Projekttage „Klimaschutz“ stattfinden. Dort werden Themen wie Klimawandel, Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Sustainable Development Goals und abschließend eine Vision 2045 behandelt. Ein Teil der Projekttage sind Exkursionen zu lokalen Windrädern, PV-Freiflächen oder zur Klima Arena nach Sinsheim (ca. eine Stunde Fahrt mit dem Bus; qualitativ hochwertige Angebote für alle Klassenstufen) sind geplant. Bürgerinnen und Bürger können ehrenamtlich unterstützen. Die Projektwoche informiert Schülerinnen und Schüler über den Klimawandel und befähigt sie, informierte Entscheidungen für den Klimaschutz zu treffen. Je nach Klassenstufe dauern die Projekttage zwischen zwei und drei Schultage. Die Inhalte werden schul- und altersspezifisch entwickelt.

EE1 - Batteriespeicher

Ziel: Errichtung eines Batteriespeichers in Tauberbischofsheim zur Netzflexibilisierung und -stabilisierung und zur Einsparung von THG-Emissionen

Eine zentrale Herausforderung der zukünftigen Energieversorgung wird das Speichern großer Mengen Strom sein. Ein großer Batteriespeicher kann kurz- bis mittelfristig Strom für die ganzen Stadt speichern und bei Bedarf abgeben. Beispielsweise können so tages- oder jahreszeitliche Schwankungen von EE ausgeglichen werden. Der Batteriespeicher dient somit dem Peak-Shaving und trägt zur Versorgungssicherheit sowie dem Klimaschutz bei, da der Batteriespeicher ausschließlich mit EE-Strom geladen wird und diesen wieder ins Netz einspeist, sobald dies erforderlich ist. Die Stadtverwaltung Tauberbischofsheim unterstützt Partner bei ihrem Vorhaben, einen Batteriespeicher zu errichten.

EE2 - PV-Ausbauplan

Ziel: Errichtung von PV-Anlagen auf allen kommunalen Dächern, auf denen es baulich möglich ist

Die Stadtverwaltung erstellt einen PV-Ausbauplan, der die Verfügbarkeit von städtischen Dach- und Parkplatzflächen prüft, die entweder zum eigenen Aufbau oder zur Vermietung an lokale Energiegenossenschaften oder Unternehmen geeignet sind. Durch den Aufbau von PV-Anlagen können neue Einnahmen generiert werden bzw. Stromkosten gesenkt werden. Nach Abschluss des Ausbauplans können die Dachflächen belegt oder verpachtet werden.

EZ1 - Sanierungsfahrplan städtische Liegenschaften

Ziel: Reduktion des Wärmebedarfs und der Betriebskosten kommunaler Liegenschaften durch energetische Sanierungen aller kommunaler Gebäude

Die Stadtverwaltung erstellt einen strategischen Sanierungsfahrplan, in welchem die städtischen Gebäude energetisch bewertet werden. Darauf aufbauend werden Potenziale ermittelt, in welchen Bereichen Energie eingespart werden kann, und Vorschläge entwickelt, wie der Energiebedarf in den Gebäuden gesenkt werden kann. Pro Gebäude entsteht ein Steckbrief. Danach entsteht ein konkreter Plan, bis wann, welche Gebäude in welchem Umfang energetisch saniert werden sollen. Die EPBD-Richtlinie, die voraussichtlich 2026 in nationales Recht umgesetzt wird, verpflichtet die Kommunen, bis 2030 bzw. 2033 die energetisch schlechtesten Gebäude (worst-performing buildings) zu sanieren. Vom Gesetzgeber ist weiterführend vorgeschrieben, dass ab 2028 die städtischen Energieverbräuche um zwei Prozent pro Jahr sinken müssen. Mit dem Sanierungsfahrplan kann die gesetzliche Pflicht eingehalten und Betriebskosten gespart werden.

EZ2 - Energieberatung

Ziel: Reduktion des Wärmebedarfs von privaten Haushalten über Informationen und Beratungen

Das Angebot für Energieberatungen, die stationär und vor Ort für die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stehen, wird erhalten und ausgebaut. Die Einführung von EnergiesparChecks ermöglichen einen niederschwelligen Einstieg in die Sanierung privater Eigentümerinnen und Eigentümer. Weitere Informationen finden Sie auf der dazugehörigen Unterseite: Energiesparen und Energieberatung.

EZ3 - Modernste Technik

Ziel: Senkung des Energiebedarfs und Vermeidung von THG-Emissionen durch den Einbau neuester Technik

Bei einem notwendigen Austausch bzw. einer Erneuerung von technischen Anlagen (bspw. Pumpen im Bereich der Wasserver- oder Abwasserentsorgung) wird der Energieeffizienz eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Die Leitungen der Eigenbetriebe treffen diese Entscheidung selbst, da sie die Experten in ihrem jeweiligen Bereich sind. Zudem wird die Straßenbeleuchtung in den nächsten Jahren schrittweise auf LED-Lampen umgerüstet. Wo es Sinn macht, kann die Möglichkeit adaptiver Elemente geprüft werden. 

KWA1 - Setzlingsbörse

Ziel: Erhöhung der Anzahl der Stadtbäume zur lokalen Kühlung, Wasserretention, Steigerung der Artenvielfalt und als Beitrag zum natürlichen Klimaschutz

Stadtbäume leisten einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Klimaschutz und der Klimawandelanpassung innerhalb von Siedlungsgebieten. Sie bieten Schatten, spenden Verdunstungskühle, nehmen Wasser auf, bieten Insekten und Vögel Nahrung und Lebensraum und speichern Kohlenstoff. Um die Anzahl der Stadtbäume zu erhöhen, werden in einer kommunalen Baumpflanzaktion Setzlinge an Bürgerinnen und Bürger verteilt. Die Stadt kauft Samen und Bäume bei lokalen Gärtnereien und gibt sie im Herbst aus. Bürgerinnen und Bürger, die einen Baum im eigenen Garten pflanzen möchten, melden sich verbindlich an, erhalten einen klimaresilienten Baum und sind verpflichtet, diesen im eigenen Garten zu pflanzen und ein Foto davon zu schicken.

KWA2 - Entsiegelungen

Ziel: (Wieder-)herstellung von natürlichen Wasserretentionsflächen zum Schutz vor Starkregen und Hochwasser und Vermeidung von unnötiger Flächenversiegelung

Starkregenereignisse nehmen in Folge des Klimawandels zu. Um die Wassermengen besser aufzunehmen, müssen versiegelte Flächen entsiegelt werden. Bei Maßnahmen des Straßenunterhalts werden bereits kleinräumige Fläche entsiegelt. Dies wird fortgeführt. Hinzukommen große Flächen, die mittels Fördergelder entsiegelt werden, beispielsweise Kreisverkehre. Entsiegelung reduziert die Gefahr von lokalen Schäden durch Starkregen und verringert die Hochwassergefahr. Zudem werden so der Kanal und die Kläranlage entlastet, wodurch Kosten reduziert werden. Außerdem wird zukünftig darauf geachtet, so wenig Fläche wie möglich neu zu versiegeln.

Die Erstellung des Klimaschutzkonzepts wird vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

Fokusberatung

Zwischen Dezember 2022 und April 2024 nahm die Stadt Tauberbischofsheim die Fokusberatung durch die Stadtwerk Tauberfranken GmbH in Anspruch. Die Fokusberatung stellt einen Einstieg in den kommunalen Klimaschutz dar, der durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wurde. In enger Koordination mit der Stadtwerk Tauberfranken GmbH wurden die ersten Klimaschutzaktivitäten der Stadt angegangen, darunter die Einstellung des Klimaschutzmanagers, der sich hauptamtlich für Klimaschutz in der Verwaltung und der Stadt einsetzt. Weitere Fokuspunkte der Beratung waren die nachhaltige Mobilität, das kommunale Energiemanagement, die kommunale Wärmeplanung und die Institutionalisierung von Klimaschutz in der Verwaltung.

Ergebnispräsentation_Fokusberatung (PDF,700 KB)

Kontakt

Herr Alexander Stiller

Klimaschutzmanager

Marktplatz 8
97941 Tauberbischofsheim
Telefon 09341 8036108
Fax 09341 803-7000
Gebäude Klosterhof